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Interview mit Marie Diehl & Daniel Geib

Leidenschaft zwischen Hitze und Handtuch

Der Weg zu den dt. Aufguss-Meisterschaften 2026

März 2026: Fabienne Simon von KOI Bad & Sauna trifft die Teilnehmenden zum Gespräch – und genau daraus ist dieses Interview entstanden.

 

F: Heute sind unsere Teilnehmer der Aufguss-Meisterschaften bei uns zu Gast.

Herzlich willkommenschön, dass ihr da seid!

D: Sehr gerne, danke für die Einladung.           M: Ja, vielen Dank.

 


F: Stellt euch doch bitte kurz vor. Marie, magst du anfangen?

M: Gerne. Ich bin Marie, werde dieses Jahr 43 und arbeite hauptberuflich als Leiterin für Logistik und Organisation in einer Auslieferungsgesellschaft. Dort bin ich für rund 1400 Mitarbeiter verantwortlich – ein ziemlich intensiver Job. Genau deshalb ist die Sauna für mich der perfekte Ausgleich. Wenn ich dort bin, kann ich komplett abschalten und mich ganz auf die Gäste konzentrieren.
Ursprünglich war ich selbst Gast hier im KOI und war immer fasziniert davon, wie elegant die Aufgießer:innen mit dem Handtuch gearbeitet haben. Vor knapp vier Jahren wurde ich gefragt, ob ich es nicht selbst einmal ausprobieren möchte. Anfangs hatte ich großen Respekt davor, „da vorne zu stehen“. Aber irgendwann bin ich spontan eingesprungen – und seitdem hat mich die Leidenschaft gepackt. Aus einem Nebenjob wurde erst ein Hobby und inzwischen echte Passion.
Und ja: Mit meinen 1,60 m arbeite ich meistens mit einem kleineren Handtuch – aber mit umso mehr Spaß.

 


F: Danke, Marie. Daniel, in drei Worten: wer bist du?

D: Ich bin Daniel, 36 Jahre alt. Hauptberuflich arbeite ich im Vertrieb als Area Sales Manager für eine Firma, die Sekte und Schaumweine produziert. Zur Sauna bin ich wie Marie, als Stammgast gekommen. Ich war oft hier im KOI und auch in anderen Anlagen. Irgendwann dachte ich mir: Das, was die Aufgießer:innen da machen, sieht richtig cool aus – das will ich auch ausprobieren. Also habe ich mir einfach ein Handtuch geschnappt und geübt. Etwa drei Monate später bekam ich tatsächlich eine Einladung von der Betriebsleitung: „Komm mal vorbei und zeig, was du kannst.“ So bin ich hier im KOI gelandet und arbeite seit gut einem Jahr tatsächlich als Aufgießer. Marie hat mich dann ein bisschen mit dem Meisterschafts-Gedanken angesteckt. Sie hat letztes Jahr teilgenommen und meinte: „Du hast das drauf, mach doch mit.“ Und so stehen wir jetzt hier.

 


F: Marie, du hast bereits letztes Jahr an den Aufgussmeisterschaften teilgenommen und mit Platz 10 deutschlandweit ein starkes Ergebnis erzielt. Wie kam es dazu, dass du dieses Jahr wieder antrittst?

M: Direkt nach der letzten Meisterschaft habe ich eigentlich gesagt: „Nie wieder.“ Der Aufwand, die Vorbereitung, die Emotionen – das war alles sehr intensiv. Man setzt sich selbst unter Druck und möchte natürlich abliefern. Aber gleichzeitig war da auch dieses Gefühl: „Da geht noch was.“ Man hat ein bisschen Blut geleckt. Ich hatte einfach Lust, es noch einmal zu versuchen – diesmal aber nicht alleine. Die Idee war, die Verantwortung zu teilen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

 


F: Daniel, was hat dich an der Teilnahme gereizt – und wie kam es dazu, dass ihr als Team antretet?

D: Ich bin eigentlich eher jemand, der im Hintergrund arbeitet und nicht unbedingt die große Bühne sucht. Aber die Intuition eines Teamaufgusses fand ich spannend. Wir hatten relativ schnell eine erste Idee – etwas Lockeres und Humorvolles, da sich viele Beiträge dieses Jahr mit sehr ernsten Themen beschäftigen. Einen Monat später haben wir das Konzept noch einmal komplett umgeworfen und sind schließlich bei unserem jetzigen Thema gelandet: „Der Behördengang“. Wir ergänzen uns sehr gut, auch wenn wir unterschiedliche Stile haben. Genau das macht den Reiz aus – und deshalb habe ich gesagt: Warum nicht? Schauen wir, wohin die Reise geht.

 


F: Man sieht euch aktuell im KOI trainieren. Was ist für euch die größte Herausforderung an diesem Projekt?

M: Tatsächlich das synchrone Wedeln. Jede:r Aufgießer:in hat seine eigene Technik und seinen eigenen Stil – vom Griff bis zu den Übergängen zwischen den Bewegungen. Am Anfang war das gar nicht so einfach. Daniel orientiert sich stärker am Takt der Musik, ich eher an der Melodie. Das führte dazu, dass wir manchmal gleichzeitig – aber unterschiedlich gewedelt haben. Inzwischen haben wir einen gemeinsamen Rhythmus gefunden und passen uns gegenseitig an.

F: Daniel, würdest du das auch so sehen?

D: Absolut. Am Anfang war es wirklich eine Herausforderung, eine Choreografie zu entwickeln, die für uns beide funktioniert. Aber nachdem das Grundgerüst stand, konnten wir uns schnell aufeinander einstellen.

 


F: Marie, was unterscheidet einen Teamaufguss von einer Einzelteilnahme?

M: Im Team muss man wirklich miteinander funktionieren. Man kann sich nicht nur auf sich selbst konzentrieren. Jeder muss dem anderen Raum geben – und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Gesamtbild stimmt. Beim Einzelaufguss hat man viel mehr Freiraum. Man kann spontan reagieren, wir sagen dazu „Freestyle“, also wirklich mit dem Handtuch improvisieren. Im Team geht das nicht – da muss die Choreografie von Anfang bis Ende sitzen, egal wie die persönliche Tagesform gerade ist.

 

 

F: Die meisten Saunagänger:innen kennen die Aufguss-Meisterschaften gar nicht. Wie würdet ihr sie beschreiben?

M: Im Grunde ist es wie ein kleines Theaterstück in der Sauna. Innerhalb der 12 bis 15 Minuten des Aufgusses, erzählt man eine Geschichte – mit Musik, Düften, Wedel Techniken, Licht und passenden Kostümen. Eine internationale Jury bewertet verschiedene Kriterien wie z.B. Story, Wedel Technik, Duftkonzept, Hitzesteigerung, Musik und – bei Teams – natürlich die Synchronität.

 


F: Daniel, kann grundsätzlich jeder teilnehmen?

D: Ganz so einfach ist es nicht. Man sollte mindestens ein Jahr Erfahrung als Aufgießer:in haben und klassische Wedel Techniken beherrschen. Das weist man über Schulungen mit Zertifikaten nach. Aber genauso wichtig ist der Umgang mit Menschen. Ein guter Aufguss lebt davon, dass man Gäste mitnimmt und eine Atmosphäre schafft. Man(n) ist Gastgeber.

 


F: Marie, du bist hier das Organisationstalent. Was gehört alles zur Vorbereitung eines Meisterschafts-Aufgusses?

M: Am Anfang steht immer die Story. Darauf baut alles auf: Musik, Düfte, Requisiten, Kostüme und Lichttechnik. Die Düfte sind dabei besonders wichtig, weil sie die Geschichte unterstützen. Gleichzeitig merkt man im Training oft, dass Dinge in der Praxis doch nicht funktionieren – dann wird wieder umgestellt.
Deshalb beziehen wir auch andere Menschen als "Testpublikum" ein. Sie sollen uns sagen, ob die Geschichte verständlich ist – selbst, wenn sie das Thema vorher nicht kennen.

 

 

F: Wie viel Training steckt normalerweise dahinter?

M: Wir haben vergleichsweise spät angefangen. Alle zwei Wochen können wir gemeinsam trainieren – jeweils drei bis vier Stunden. Man könnte aber wahrscheinlich ein halbes Jahr oder länger an so einem Aufguss arbeiten. Irgendwann muss man einfach sagen: Jetzt steht das Konzept.
D: Genau. Andere Teams trainieren deutlich länger. Trotzdem sind wir mit unserem Fortschritt sehr zufrieden.

 


F: Habt ihr euch ein konkretes Ziel gesetzt?

D: Unser erstes Ziel ist die Qualifikation am 20. März in Osnabrück. Wenn wir es schaffen, uns für die deutsche Meisterschaft in Eibenstock im Juni zu qualifizieren, wäre das natürlich großartig. Vor allem, weil wir relativ wenig Trainingszeit hatten – aber dafür eine Story, an der wir selbst richtig Spaß haben und ich glaube das Publikum auch.

 


F: Gab es beim Training schon lustige Momente?

M: Einige. Einmal haben wir an der gleichen Stelle beide gleichzeitig einen Fehler gemacht – ohne uns
anzuschauen. Und an einem anderen Tag haben wir unabhängig voneinander exakt die gleichen Düfte für unsere Aufgüsse vorbereitet.
D: Das war wirklich kurios. Marie kam zu mir und fragte nach Eiskugeln für den Duft. Als ich die Düfte
draufgegeben habe, meinte sie: „Die habe ich heute auch benutzt!“
M: Wir sind inzwischen ein bisschen wie ein altes Ehepaar geworden – wir telefonieren fast täglich, weil uns wieder eine neue Idee einfällt.

 


F: Eine letzte Frage: Denkt ihr schon über eine Teilnahme 2027 nach?

D: Für mich wahrscheinlich eher in Richtung anderer Wettbewerbe wie dem Modern Classic Cup oder Herbal Cup, wo der Fokus stärker auf klassischen Aufgüssen und natürlichen Suden liegt.
M: Ich kann mir gut vorstellen, bei der deutschen Meisterschaft noch einmal im Einzel anzutreten. Gleichzeitig nehme ich dieses Jahr auch am Modern Classic Cup teil – und kurzfristig sogar am Battle of Gladiators, einem Freestyle-Wettbewerb.

F: Hast du dafür schon ein Gladiatoren-Outfit?

M: Jetzt wird’s aber privat! *lacht* Sagen wir so: Ein passendes Outfit kann dem Gesamtbild definitiv helfen. ;-)

 

 

F: Vielen Dank euch beiden für das spannende Gespräch. Möchtet ihr zum Abschluss noch etwas ergänzen?

M: Unser Aufguss heißt „Der Behördengang“. Viel mehr möchten wir dazu eigentlich noch gar nicht verraten – außer, dass sich wahrscheinlich jede und jeder darin wiederfinden wird.
D: Ich würde wirklich jedem Sauna Fan empfehlen, sich so etwas einmal anzuschauen und sich einfach darauf einzulassen. In einer Sauna kann so viel mehr passieren, als man vielleicht erwartet. Aufgüsse können
unterschiedlich gestaltet sein – mal ruhig und klassisch, mal mit Story, Musik und viel Atmosphäre. Viele denken noch immer, Sauna sei eher altmodisch. Dabei entstehen inzwischen richtig kreative Shows für verschiedenste Geschmäcker. Für mich ist ein guter Aufguss oft wie ein kleiner Film: Man sitzt drin, erlebt eine Geschichte, spürt die Hitze, riecht die Düfte und lässt sich einfach mitnehmen. Und selbst wenn mir persönlich mal eine Musik oder ein Duft nicht so zusagt – es bleibt trotzdem Entertainment. Ein schöner Kurzfilm also … nur bisher leider ohne Popcorn.


F: Das klingt fast nach einer Idee für die nächste Innovation in unserer Sauna.
Vielen Dank euch beiden für das offene Gespräch und interessanten Eindrücke.

Wir drücken euch fest die Daumen für die Qualifikation – und wünschen euch vor allem viel Spaß und Erfolg bei eurem Aufguss.

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Luftaufnahme in der das KOI Bad & Sauna zu sehen ist sowie der angrenzende Wald.